Lars Grünewald

 
Geboren 1962 in Frankfurt a.M., habe ich nach dem Abitur zunächst Musikwissenschaften und Erziehungswissenschaften studiert. Mein Interesse an erkenntnis- und wissenschaftstheoretischen Fragen war dann der Anlass dafür, mir ein privates Philosophiestudium zu organisieren, in dessen Verlauf ich mich neben neuzeitlicher Erkenntnis- und Wissenschaftstheorie vor allem auf die Philosophen des Deutschen Idealismus (Kant, Fichte, Schelling, Hegel) und hier wiederum insbesondere auf Hegels "Wissenschaft der Logik" konzentriert habe, die auch weiterhin eines meiner Hauptarbeitsgebiete bildet. Zugleich habe ich mich bereits seit der Zeit vor meinem Universitäts-Studium intensiv mit der von Rudolf Steiner begründeten anthroposophischen Geisteswissenschaft beschäftigt, an welcher mich u.a. vor allem deren erkenntnistheoretische und menschenkundliche Grundlagen sowie die Waldorfpädagogik und die Soziale Dreigliederung interessieren.
 

Auf dieser Basis habe ich seit 1998 versucht, mich durch Vorträge und Seminare im Bereich der Erwachsenenbildung beruflich selbständig zu machen, was nach einer recht lang andauernden und zunächst wenig ertragreichen Anlaufzeit allmählich immer besser gelang. In meinen Veranstaltungen geht es mir vor allem um eine Verknüpfung der innerhalb des Deutschen Idealismus entwickelten dialektischen Denkmethode mit den wesentlichen sozialen Fragen unserer Zeit, wie etwa den Grundprinzipien der gesellschaftlichen Gestaltung (z.B der Struktur unseres Bildungswesens und unseres Finanzsystems), der Entwicklung des Arbeitslebens in unserer Gesellschaft, grundlegenden Fragen der Pädagogik, einem zeitgemäßen Verständnis zwischenmenschlicher Beziehungen, der Ausbildung einer sozialen Kommunikationsmethode, der Organisation institutioneller Arbeitszusammenhänge usw. 

Ab 2006 habe ich einige Zeit an der Oberstufe einer Waldorfschule mit Schülern im Sozialkunde-Unterricht am Thema "Arbeit und Beruf" gearbeitet, was sich dann als freie Bildungsarbeit mit Jugendlichen fortgesetzt hat. Durch die Verbindung zum Schulleben boten sich mir Möglichkeiten zu unterschiedlichen Aktivitäten in der Lehrerbildung, wie z.B. die Leitung von Arbeitsgruppen in Kollegien oder auf Lehrertagungen zu einigen der oben genannten Themen. Von dort aus wiederum ergab sich eine Zusammenarbeit mit den Lehrerkollegien einiger Schulen auf konzentrierten dreitägigen Seminaren z.B. zu Fragen der Schulentwicklung sowie eine längerfristige Beratungstätigkeit in Bezug auf die Neustrukturierung und Organisation der schulischen Selbstverwaltung.

Aus dem angedeuteten Lebenslauf mag hervorgehen, welche Bedeutung das Thema der Selbstorganisation von Bildung für meine Aktivitäten der letzten zwanzig Jahre gehabt hat: Da es für das, was mir vorschwebte und erforderlich zu sein schien, weder formale bzw. institutionalisierte Ausbildungsangebote noch geeignete Lehrer gab, war der Weg in die berufliche Selbständigkeit für mich nahezu ausschließlich eine Frage der Selbstausbildung und Selbsterziehung, inklusive vieler dazu gehöriger positiver wie negativer Erfahrungen. 

Das Bedürfns, Zukunftsperspektiven des gesellschaftlichen Arbeitslebens zusammen mit Schülern zu erörtern, hat mich dann in den Gegenpol der Selbsterziehung, nämlich in die institutionelle Bildung hinein geführt; und ich habe dabei immer wieder das Scheitern - und nicht selten auch das Ausbleiben - von Bemühungen um eine freiheitliche Gestaltung sowohl der Pädagogik als auch der schulischen Selbstverwaltung beobachtet: Organisations- und Kommunikationsprobleme, die fast immer aus einem fehlenden Überblick über die jeweilige Situation und einem daraus folgenden mangelhaften Problembewusstsein (aus einem Mangel an Geistesgegenwart also) resultierten, führten zu immer neuen sachlichen und sozialen Unstimmigkeiten. Dabei wurde mir auch deutlich, in welch hohem Maße das Funktionieren des Gesamtorganismus einer Bildungsinstitution von der bewussten Gestaltung der individuellen Beziehungen zwischen ihren Mitarbeitern, zwischen Lehrern und Schülern, Lehrern und Eltern usw. abhängig ist. Ein professionelles, der jeweiligen Aufgabenstellung angemessenes Kommunikationsverhalten bildet hier zu häufig die Ausnahme anstatt der Regel ...

Wer sich in seinen Aktivitäten nicht auf den eigenen unmittelbaren Lebensumkreis beschränken will, der dürfte verstärkt an Fragen der Gesellschaftsgestaltung interessiert sein. Die durch Politik und Wirtschaft in den letzten ca. 30 Jahren systematisch vorangetriebene Verelendung unserer Gesellschaft in Bezug auf Bildung, soziale Standards und wirtschaftliche Gerechtigkeit erfordert nach meiner Überzeugung einen neuen Ansatz der Selbstorganisation, der sich eben nicht auf herkömmliche Institutionen und gesellschaftliche Bildungsangebote stützen kann. Da aber auch in sogenannten freien Bildungsinstitutionen mit großer Hartnäckigkeit und Regelmäßigkeit immer dieselben Probleme auftreten, halte ich es für unumgänglich, diese fundamentalen Probleme der menschlichen Entwicklung und Sozialgestaltung als solche zu behandeln und Methoden zu ihrer gezielten Überwindung auszubilden: Nur Menschen mit entsprechend ausgebildeten Fähigkeiten werden die Möglichkeit haben, unsere Gesellschaft strukturell zu verändern!

Der Umstand, dass es keine Institutionen gibt, welche die angesprochenen Fähigkeiten gezielt vermitteln, führt zur Idee der Selbstorganisierten Bildung, in der es darum geht, sich einerseits für seine eigene Bildung selber verantwortlich zu fühlen und andererseits mit anderen Menschen zusammen geeignete Bildungsformen auszubilden, um möglichst viele Menschen beim Erwerb grundlegender Fähigkeiten zur Selbstbestimmung und zur sozialen Gestaltung zu unterstützen. Das erfordert eine Zusammenführung der drei Bereiche der Selbsterziehung, der Beziehungsgestaltung und der Gemeinschaftsgestaltung vor dem allgemeinen Hintergrund der Gesellschaftsgestaltung. Insofern scheint mir diese Idee eine logische Konsequenz meiner oben angedeuteten eigenen Erfahrungen mit den Problemfeldern der Bildung und der Sozialgestaltung zu sein.